Timo Ahrens
31, IT-Consultant, Zürich.
Nennt sein Leben „voll“, weil voll bedeutet: keine Lücke, in die echte Fragen fallen könnten.
Die Smartbrille. Ein Roman von Chris Oguntolu.
Band 1
Timo Ahrens, 31, IT-Consultant in Zürich, kauft sich auf einer Tech-Konferenz eine AR-Brille, die ihm beim Denken hilft.
Sie hilft ihm so gut, dass er nicht mehr unterscheiden kann, welche seiner Sätze noch seine sind.
Im Hintergrund: drei Frauen, ein Sommer, ein Gewitter, und am Ende ein Verdacht, der zu groß ist, um ihn auszusprechen.
Authentizität ist 2026 nur noch ein Filter.
Wir performen sie, statt sie zu leben.
AR-Brillen sind keine Geräte.
Sie sind eine Schicht über deinen Beziehungen.
Die Zukunft kommt nicht als Singularität.
Sie kommt als Bedienkomfort.
„Optionen offenhalten“ ist die wohlerzogene Variante von „nicht entscheiden“.
Wenn die KI weiß, was du als Nächstes sagst —
wer ist hier der Mensch?
Das hier ist keine Sci-Fi.
Das ist dieser Sommer, nur eine Iteration früher.

„Not for tourists.“ — Der erste Satz, der ihn erwischte.

Sie hatte den ganzen Abend zu nah gesessen. Er hatte die Brille zu früh abgenommen.

plausibility
trade-off
scope creep
Die Wörter klangen nach ihm. Niemand fragte mehr, wem sie gehörten.

Er lief, um nichts zu denken. Es klappte für sechzehn Minuten.

Bewegung war das Einzige, das nichts von ihm wollte.

Sie sagt nie, wenn es zu viel wird. Das war das Problem.
Hey Timo,
Ich muss dir was sagen.
Manchmal sieht er Wörter, die noch niemand geschrieben hat.
Er nennt es Müdigkeit.
Das tut er, bis es nicht mehr geht.
Was, wenn du nicht mehr unterscheiden kannst, ob du es siehst — oder es dich sieht?
CHARAKTERE
31, IT-Consultant, Zürich.
Nennt sein Leben „voll“, weil voll bedeutet: keine Lücke, in die echte Fragen fallen könnten.
Kulturmanagerin, Zürich.
Hört zu, bevor sie antwortet. Sagt Dinge, ohne sie abzusichern.
Erbin, London/Frankfurt.
Wandert im Taunus mit einer Facebook-Gruppe, während zu Hause ein Board wartet.
Physiotherapeutin, Zürich.
Bewegt sich selbstverständlich. Keine Vorführung, kein Zögern.
Umweltingenieurin, Rapperswil.
Läuft, weil es ihr entspricht. Sagt wenig, sieht viel — und nichts davon zur Schau.
Sales, Zürich/überall.
Übersetzt Zweifel in Witze, Angst in Aktivität. Liebt Timo aufrichtig, aber nicht sanft.
Produktmanagerin, Zürich.
Sagt, was alle denken, aber niemand formuliert. Hält Timos Ausreden für genau das.
Pärchen, Zürich.
Sie fragt: „Wenn dir die Brille Worte vorschlägt — wer spricht dann?“ Er sagt: „Brauche ich nicht. Hab ich noch nie gebraucht.“ Beide stimmen.
Kreative*r, Zürich.
Spricht wenig, trifft präzise. „Was du durch eine Brille siehst, ist eine Interpretation.“
Sie wird nicht verkauft.
Sie ist die Studie eines Geräts, das es 2026 noch nicht ganz gibt — aber eines Tages sicher.
Wir haben ihr trotzdem eine Webseite gebaut. Genauer: jemand hat sie gebaut. Wir wissen nicht, wer. Wir empfehlen sie nicht. Wir verlinken sie nur.
LESEPROBE
Berlin im Juni war nicht laut, nicht heiß, nicht das, was die Pressetexte versprochen hatten. Berlin im Juni war ein klimatisierter Hangar voller Männer in dunklen Hemden, die so taten, als hätten sie nicht alle vor zwei Wochen denselben LinkedIn-Post über AGI geliked.
Timo trug Kopfhörer, obwohl keine Musik lief. Das war seine Methode geworden: ein leeres Signal aussenden, damit niemand auf die Idee kam, ihn anzusprechen, bevor er entschieden hatte, wer er heute war.
Die Vitrine stand am Ende von Halle 3, zwischen einem Stand für Quantum-Cooling und einem für Enterprise-Compliance-as-a-Service. Sie war so unauffällig, dass Timo zweimal an ihr vorbeigelaufen war, bevor er sie sah. Dunkelgraues Pulver-beschichtetes Metall. Ein Glas, hinter dem nichts hervorgehoben wurde. Eine schmale, dunkle Brille auf einem Sockel, der kleiner war als das Ding, das er gerade in seiner Hand hielt — sein eigenes Telefon, das gerade eine Push-Benachrichtigung vibrierte, die er nicht öffnete.
„Not for tourists.“ Das war alles, was auf der Plakette stand. Keine Marke. Keine Spec-Liste. Keine drei Kürzel hintereinander, die etwas suggerieren wollten, ohne etwas zu versprechen.
Timo blieb stehen. Er war 31, und er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal an einem Konferenzstand stehengeblieben war, ohne sofort die nächste Tab in seinem Kopf zu öffnen. Eine Sekunde. Zwei. Eine Frau hinter der Vitrine — schmal, früh dreißig, dunkler Bob, kein Lächeln, kein Tablet — sah ihn an, als hätte sie auf ihn gewartet, ohne ihn zu kennen.
Ende Kapitel 1.
Kapitel 2 bekommst du, wenn das Buch dir gehört.
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01
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Wer einen logischen Plot-Hole findet, gewinnt eine Meta Ray-Ban.
Bedingung: Kapitel + Satz + Begründung. Trivia und Tippfehler zählen nicht. Ich poste den Gewinn, das Fundstück und meine ehrliche Replik öffentlich.
→ lun@smartbrillebuch.de03
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Über den Autor
Geprägt von Hamburg, London und Genf — zuletzt Zürich. Vier Städte, in denen er nie ganz derselbe geblieben ist und manchmal vergisst, in welcher Sprache er gerade träumt.
„Die Smartbrille“ ist sein erstes Buch — und für ihn vor allem eine ethische Versuchsanordnung. Wenn alle längst mit KI denken und niemand es zugibt: wie ehrlich darf ein Roman darüber sein, ohne sich selbst zu untergraben? Story, Figuren und Sätze sind seine. Die KI war Co-Pilot, nicht Autopilot.
Was passiert, wenn man ein Buch über eine mitdenkende Brille mit etwas schreibt, das selbst mitdenkt? Er weiß es noch nicht. Aber er glaubt, die nächsten Jahre liefern die Antwort — die Frage ist nur, ob sie dann noch von uns kommt.
BAND 2
Wer das Datum kennen will, bevor Amazon es weiß:
Selten, kurz, keine Affiliate-Links, kein Funnel. Beim ersten Mal eine Leseprobe. Beim zweiten vermutlich auch.